Mut zum Unperfekten

27. Juli 2021 - Studio-Geschichten, Branding

Grafik-Designer Roman Gebath ist seit 5 Jahren bei Studio Ideenladen und seit Anfang August 2021 neuer Art Director. Roman im Interview über seine Arbeit, seine Herangehensweise und seine persönliche Design-Mission.

Du bist seit 5 Jahren Grafik-Designer und seit Kurzem Art Director bei Studio Ideenladen. Wie kam es generell zu diesem Berufswunsch?

Schon während meiner Schulzeit in der HLF Krems habe ich mich für Markenauftritte interessiert: Vor allem Logos, professionelle und cleane Designs faszinierten mich damals so sehr, dass ich es selbst versuchen wollte. Also habe ich im stillen Kämmerchen einiges ausprobiert und festgestellt: Das macht Spaß! Es war dann beinahe logisch, dass ich nach Matura und Zivildienst eine grafische Ausbildung mache – und meine Wahl fiel auf das Studium „Grafikdesign und mediale Gestaltung“ der New Design University (NDU) in St. Pölten. Der ursprüngliche Drang zur ganzheitlichen Gestaltung von Projekten ist seit diesen Anfängen eigentlich unverändert geblieben.

Hat sich im Laufe der Zeit sonst etwas in deiner Herangehensweise verändert?

Auf jeden Fall – und darüber bin ich froh! Während mich zu Beginn vor allem nüchterne Designs faszinierten, habe ich bald erkannt, dass diese austauschbar sind und nichts Greifbares bieten. Es fehlt ihnen an Charme und Persönlichkeit. Das Resultat ist, dass sich die KundInnen nicht damit identifizieren können und die Marke zu einer unter vielen wird. Deshalb versuche ich in meinen Brand Designs etwas Persönliches, etwas Nahbares einzubringen. Das können organische Formen sein oder weniger perfekte Details ...

Was wäre so ein weniger perfektes Detail?

Eine Linie muss beispielsweise nicht immer schnurgerade sein, sondern kann auch einmal krakeliger aussehen. Oder eine Schriftart mit handschriftlicher Anmutung bringt mehr Charakter in ein Design. Natürlich muss es immer zum Gesamtauftritt passen. Im Kern geht es darum, das weniger Perfekte zuzulassen, denn die Welt und die Menschen sind nicht perfekt. Und genau das macht einen Auftritt sympathisch und echt.

Ist es nicht schwierig nach so vielen Designs auf neue Ideen zu kommen? Wie gehst du dabei vor?

Der erste Schritt bei einem neuen Projekt ist immer die gründliche Recherche. Ich versuche etwas zu finden, das zwar in der Gedankenwelt der Marke bleibt, aber nicht zu offensichtlich ist. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen bringt dieser neue Ansatz die Menschen zum Schmunzeln, zum anderen entsteht ein Design, das noch nicht so oft durchgekaut wurde. Es entsteht etwas Neues, Einzigartiges.

Wie wichtig ist dabei der Austausch mit anderen?

Sehr wichtig! Das eine Mal genügt es, wenn ich meine Gedanken zu einem Projekt offen diskutiere, um auf neue Ansätze zu kommen, das andere Mal brauche ich den Blick von außen. Ohne diesen kreativen Diskurs wäre es um ein Vielfaches schwerer, den Kern einer Marke zu finden, der sie ausmacht. Oft ist es nur ein Wort, das den Anstoß zur Entwicklung einer ganzen Design-Welt gibt.

Hast du als Art Director eine persönliche Mission oder eine Message, die dir wichtig ist?

Auch wenn ich die Branche nicht umkrempeln kann, würde ich gerne mehr Ehrlichkeit ins Marketing zu bringen. Ich habe das Gefühl, dass der Wert von Ehrlichkeit oft vergessen wird und es nur darum geht, alles schönzureden. Dabei können Unternehmen mit Selbstreflexion und Selbstkritik das Vertrauen der KundInnen gewinnen. Es geht eben nicht darum, alles zu können. Man kann sich offen eingestehen, wenn man einen Fehler gemacht hat.

Und wie ist das bei Studio Ideenladen?

Das Schöne an der Arbeit bei Ideenladen ist, dass ich hier als Mensch wahrgenommen werde – mit allem, was dazugehört. Das umfasst auch, dass vielleicht einmal etwas nicht funktioniert. Es ist eine ehrliche Zusammenarbeit ohne Ellbogenpolitik. Diese offene Atmosphäre ist für den kreativen Prozess unglaublich fruchtbar.

Zudem kann ich mich in verschiedensten Bereichen entfalten und mich mit meinen anderen Interessen einbringen. Als wissbegieriger Mensch ist mir das wichtig, denn am liebsten mische ich überall mit – von der Entwicklung einer Brand Identity bis zur Programmierung einer Webseite.

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